Der junge David enthauptet den am Boden liegenden Goliath

Datierung / Date

17. Jh.

Technik / Material Technique / Material

Kreide in Schwarz, auf grünem Papier; quadriert

Maße / Dimensions

Blattmaß / Sheet: 270 x 263 mm

Inv.-Nr. / Acc. No.

2604 Z

Erwerb / Acquisition

Kurfürst Carl Theodor, Mannheim

Bemerkungen / Notes

Text aus: Kurt Zeitler, Zeichner in Rom 1550 - 1700, Berlin/München 2012, S. 126-127, Kat. 49
Giuseppe Cesari, genannt Cavaliere d’Arpino
Arpino 1568 – 1640 Rom
Nach Rom kam Giuseppe Cesari im Alter von dreizehn Jahren. Sein Talent wurde rasch entdeckt, und dank der Protektion Papst Gregors XIII. (1572–1585) gelang es ihm, aus dem Kreis Federico Zuccaris zu einem der größten Maler Roms aufzusteigen. Zwischen 1588 und 1591 arbeitete Cesari in Neapel und malte Deckenfresken in San Martino. Angefeindet von einheimischen Künstlern begab er sich aber zurück nach Rom. Dort fielen ihm unter Sixtus V. (1585–1590) und Clemens VIII. (1592–1605) wichtige Aufträge zu, wie 1591/93 die Ausmalung der Contarelli-Kapelle in San Luigi dei Francesi unter der Mitwirkung seines Schülers Caravaggio. Die in der Folge durch dessen revolutionären Naturalismus und den Stil der Carracci in die römische Malerei eingebrachten Neuerungen fanden keinen Eingang in Giuseppe Cesaris Œuvre. Sein Hauptwerk sind die Fresken in der Sala degli Orazi des Konservatorenpalastes mit Szenen aus der römischen Geschichte, die er 1596 begann und zu seinem Tod noch nicht vollendet hatte. Dabei behielt er seinen Stil manieristischer Reihung und Flächenparzellierung bei. Unter Papst Clemens VIII. wurde er zum Ritter und Direktor von San Giovanni in Laterano erhoben. Kardinal Aldobrandini nahm ihn 1600 mit nach Frankreich, wo ihm Heinrich IV. den Orden des heiligen Michael verlieh.
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Giuseppe Cesari, genannt Cavaliere d’Arpino
Der junge David enthauptet den am Boden liegenden Goliath (mit Federbusch auf dem Helm)
Schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blaugrünem Papier, quadriert mit schwarzem Stift; beschriftet in brauner Feder unten links: 1984.; rückseitig unten: […] Gorgo […]; Wasserzeichen: Krone besetzt mit sechszackigem Stern.
270 x 263 mm
Inv.-Nr. 2604 Z. – Altes Inventar (1804) Nr. 1984: G. Cesari [Name mit blauem Stift ergänzt]: David enthauptet den Goliath. – Neues Inventar (1852): Cesari, Joseph, genannt Arpino: David tötet den Goliath.
Provenienz: Kurfürst Carl Theodor, Mannheim (Lugt 2723)
Literatur: unpubliziert
David griff Goliath mit der Steinschleuder an – die Brocken vorne illustrieren dies – so dass der Riese bäuchlings strauchelte. Der eine Arm sucht den Sturz abzufangen, der andere scheint schmerzhaft zur Seite gedreht. Die Füße haben den Boden unter sich verloren. Charakterisiert als Orientale mit kräftig gebogener Nase und Schnauzbart, trägt Goliath einen kostbar verzierten, federgeschmückten Helm. Mit wehendem Mantel und wie im Sprung gespreizten Beinen hat sich über seinem Nacken David postiert. Beidhändig schwingt er einen riesigen glänzenden Säbel, mit dem er den Philister im nächsten Moment entleiben wird. Davids Sprungbein greift die Richtung des abstützenden Arms auf, lenkt also die Bewegung um, leitet sie am eitlen Federschmuck des Helms vorbei, um den alles entscheidenden Hieb wuchtig zu führen. Ansonsten herrscht dichtes Kampfgetümmel: ein Meer von Leibern und Köpfen, von Pfeilen und Speeren, zu dem nur David mit jugendlichem Lockenkopf und in bizarrer Größenrelation dezent kontrastiert.
Die manieristische Dichte der Komposition, der dramatisch steile, engräumige Bildaufbau, die jähen Verkürzungen, die Arbeit mit Lavierung und Weißhöhung auf farbigem Papier, werden für die Zuschreibung an Giuseppe Cesari zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausschlaggebend gewesen sein. Ein Gemälde dieses Themas von seiner Hand ist bislang nicht bekannt geworden, auch wenn die Quadrierung auf eine Übertragung in größeres Format deutet. Das gleiche Thema ist in den Grundzügen von Pietro da Cortona ähnlich behandelt, bei ihm allerdings im Gegensinn und ohne Kampfgetümmel.

Literatur / Literature

Marco Simone Bolzoni, Il Cavalier Giuseppe Cesari d'Arpino. Maestro del disegno. Catalogo ragionato dell'opera grafica, Rom 2013, S. 431, Kat.-Nr. R 46
Zeichner in Rom 1550-1700, Ausst.-Kat. München, Staatliche Graphische Sammlung München in der Pinakothek der Moderne, bearb. von Kurt Zeitler, München 2012, S. 126, Abb. S. 127, Kat.-Nr. 49