Sturz der Giganten (Jupiter wirft die rebellischen Giganten nieder), nach Perino del Vaga, Genua, Palazzo del Principe, 1531-1533
Datierung / Date
1547Technik / Material Technique / Material
KupferstichMaße / Dimensions
Blattmaß / Sheet: 340 x 571 mmInv.-Nr. / Acc. No.
252306 DAufl., Druckzustand / Edition, State
1. Zustand (ohne die Adresse von Lafreri)WVZ / Cat. Rais.
Bartsch, XV, Nr. 16, S. 45-46 (Raimondi-Schule, Sujets de Mythologie); TIB, Bd. 28, S. 60/61, Nr. 16 (45) und Bartsch VI, Nr. 60, S. 82 (Raimondi-Schule); Massari, Giulio Bonasone, Bd. I, 1983, Nr. 108Erwerb / Acquisition
Sammlung Hermann Voss, inventarisiert 1969Bemerkungen / Notes
Text aus: Kurt Zeitler, GRANDE DECORAZIONE. Italienische Monumentalmalerei in der Druckgraphik, Berlin/München 2018, S. 72-73, Kat. 9
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Giulio Bonasone (zugeschrieben), Sturz der Giganten, nach Perino del Vaga, Sala dei Giganti, Villa del Principe, Genua
Perino del Vaga (→), Sturz der Giganten, Sala dei Giganti, Villa del Principe, Genua
Der Sturz der Giganten in der Villa des Andrea Doria in Genua, die auch Villa del Principe genannt wird, ist zwischen 1531 und 1533 in zeitlicher Nähe zur Ausstattung gleichen Themas von Giulio Romano im Palazzo Te in Mantua (1532–35) entstanden (Kat. 35). Doria hat seit 1528 seinen Palast von Perino del Vaga mit Fresken ausschmücken lassen, darunter das 6,4 x 9,2 Meter messende Bild, das Giorgio Vasari (1511–1574) in der Vita Perinos hervorhebt. Im Unterschied zur komplexen Lösung in Mantua entschied man sich in Genua zur Umsetzung dieses Paradethemas der Herrscherikongraphie allein für ein Deckenbild, das über einem Kranz von Stichkappen aufsitzt. Die zweizonige Komposition ist durch einen Wolkenstreifen in eine irdische und eine himmlische Sphäre geteilt. Unten liegen die zu Boden gestürzten Giganten, oben hält Jupiter als Herrscher des Olymps sein Strafgericht. Der Sturz der Giganten kann als Reverenz an Kaiser Karl V. (1500–1558) gesehen werden, der 1536 Genua besuchte und Andrea Doria die Ehre gab. Nach traditioneller Lesart ist mit Jupiter der seine Feinde strafende Karl V., Dorias Verbündeter, gemeint. Diesen setzte Pietro Aretino (1492–1556) in einem Brief von 1537 auch tatsächlich mit dem Göttervater gleich. Andreas W. Vetter weist jedoch nach, dass das Programm des Jupitersaales mehr noch auf die Person des Auftraggebers ausgerichtet ist, wobei Jupiter-Doria das in der Verfassung der Republik verankerte Regierungssystem, das sich im Rat der Götter widerspiegelt, schützt.
Giulio Bonasone (→), Sturz der Giganten, nach Perino del Vaga, Kupferstich im Bildsinn, Einzelblatt
Der Kupferstich wird neben Bonasone auch Girolamo Fagiuoli, Guido Ruggieri und dem Monogrammisten FG zugeschrieben und wurde später von Antonio Salamanca neu aufgelegt. Die geringfügigen Unterschiede zu dem um 1533 ausgeführten Gemälde lassen vermuten, dass der Stich nach dem Fresko und nicht nach einem gezeichneten modello ausgeführt wurde. Allerdings nahm der nach dem Deckenbild arbeitende Zeichner redaktionelle Eingriffe vor, um das Riesenbild dem Stichformat anzupassen. So sind detailreiche Partien entweder reduziert oder ganz weggelassen, wie beispielsweise die figürliche Szene im Gemälde oberhalb des sitzenden Turbanträgers ganz links. Die Übernahme dieser filigranen Gruppe ins Format der Druckgraphik hätte die monumentale Gesamtwirkung möglicherweise beeinträchtigt. Bonasones Autorschaft gilt nach Stefania Massari und Gramaccini/Meier als sicher, wird aber von Madeleine Cirillo Archer insoweit angezweifelt, als die Technik mit den feinen und dichten, parallelen und langen Schraffurlinien für Bonasone untypisch sei.
Wenn auch auf den ersten Blick höchst gegensätzlich, erscheinen Bonasones Blätter zum Jüngsten Gericht (Kat. 7) und zum Sturz der Giganten aus der Perspektive druckgraphischer Wiedergabe wie zwei Varianten von Gerichtsdarstellungen – die eine mit sakralem, die andere mit profanem Hintergrund, die eine im Hoch-, die andere im Querformat, die eine auf ein Wandbild bezogen, die andere auf ein Deckenbild. Folgt man den Datierungen Massaris – das Blatt nach Michelangelo setzt sie um 1546 an und das Blatt nach Perino del Vaga um 1547 –, könnten beide Stiche für eine bewusste Antithetik sprechen. Bei aller Verschiedenheit sind die Kompositionen einander vergleichbar: Neben der zeitlichen Nähe waren beide unter den Zeitgenossen hoch berühmt, dort mit Christus im Zentrum als Ausdruck päpstlicher Gewalt, hier mit Jupiter als Strafendem im Dienst kaiserlicher Propaganda, und beide Kupferstiche entstanden offenbar nach den Urbildern selbst. Wenn Bonasone dieses Faktum im etwas früheren Stich nach Michelangelos Jüngstem Gericht noch besonders hervorhebt (Kat. 7) und in der späteren Arbeit den Bezug zu Perinos Deckenbild unerwähnt lässt, könnte das ein Indiz dafür sein, dass das Arbeiten nach dem Urbild mittlerweile keinen Sonderfall mehr darstellte.
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Sturz der Giganten
1547
Giulio Bonasone (→), nach Perino del Vaga (→)
Eine Wolkenbank teilt die Darstellung in zwei Zonen. Oben verfolgt der Götterrat gestenreich das Geschehen, unten auf der Erde liegen die gestürzten Giganten. Jupiter, vom Zodiakus umfangen und halb auf dem Adler reitend, hält ein Bündel Blitze, das er im Begriff ist, auf die revoltierenden Giganten herabzuschleudern. Räumliche Tiefe erzeugt der Durchblick auf eine helle Landschaftspartie in der Bildmitte unter dem Göttervater, der selbst als Lichtgestalt erscheint. Dramaturgisch besonders wirkungsvoll ist im Kupferstich die Schattenzone, die die Wolkenbank auf die niedergeschmetterten Giganten wirft. Sie taucht sie in Dunkel und lässt die siegreichen Götter darüber nur umso strahlender erscheinen.
Kupferstich im Bildsinn
I. Zustand von II
340 x 571 (Blatt)
Kein Wasserzeichen erkennbar
Beschriftet verso in Bleistift: „252306“ (Inv.-Nr.), „B. 1867, XV, S. 45/46, No 16 / liegt unter Raimondi-Schule“ sowie „Beatrizet?“
Inv.-Nr. 252306 D
Auf dem Plattenrand beschnitten; geschlossene Bruchstellen
Sammlung Hermann Voss, inventarisiert 1969; Lugt 3237
Werkverzeichnisse: Cumberland 1793, S. 98, Nr. 291; Bartsch, Bd. 15, S. 45 f., Nr. 16 (Raimondi-Schule) und Bd. 6, S. 82, Nr. 60 (Raimondi-Schule); Passavant, Bd. 6, S. 82, Nr. 60; TIB, Bd. 28, S. 60/61 Nr. 16 (45); TIB, Bd. 28 Commentary, S. 45, Nr. .051 S1
Literatur: Borea 1980, S. 253, Nr. 641; Ausst.-Kat. Rom 1983, 2 Bde., Bd. 1, S. 86 f., Nr. 108 a) (Stefania Massari); Parma Armani 1986, A.IX.7, S. 119 ff. sowie 272–274; Ausst.-Kat. Mantua 2001, S. 213, Nr. 104 (Achim Gnann); Boorsch 2001/2, S. 510–512; Borea 2009, Bd. 1, S. 126, S. 132, Anm. 19, Bd. 2, Abb. Cap. XI, 20
Literatur / Literature
Grande Decorazione. Italienische Monumentalmalerei in der Druckgraphik, Ausst.-Kat. München, Staatliche Graphische Sammlung München in der Pinakothek der Moderne, bearb. von Kurt Zeitler, Berlin / München 2018, S. 17, 26, 28, 33, 73, Abb. S. 73, Kat.-Nr. 9
Perino del Vaga tra Raffaello e Michelangelo, Ausst.-Kat. Mantua, Palazzo Te, hrsg. von Elena Parma, bearb. von Achim Gnann, Mailand 2001, S. 213, Kat.-Nr. 104

